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Montag, 30. Dezember 2013

7 Seenroute in Chile / Argentinien

16.12. - 30.12.2013

Hmm... das kommt uns spanisch vor ?!

Tatsächlich gibt es doch noch einen letzten Bericht dieses Jahr! Ich hoffe ihr habt Weihnachten gut überstanden und der allgemeine (Fr)Esswahn ist vorbei ;-)
Eigentlich wollten Christina und ich am Dienstag (17.12.) weiterreisen, aber das haben wir nicht geschafft. Es gab noch einiges zu organisieren und irgendwie wollten wir auch noch gar nicht so richtig vom Chili Kiwi Hostel weg. Nochmal eine Spanischstunde am Strand und Sarah & „Quische“ waren so nett, sie wollten ihren Langzeitgast Christina auch nicht wirklich los werden. Die letzten beiden Abende haben sie sogar für uns gekocht und es gab einen Abschiedskuchen! So schön!





 


Es gibt zwei Möglichkeiten von Pucón nach San Martin de los Andes (Argentinien) zu kommen. Die erste ist sehr einfach: Busticket kaufen, in den Bus reinsetzen und einmal die Hauptroute via Curarrehue durchfahren. Das wollten wir allerdings nicht. Wir nehmen die etwas länger Variante in Angriff, entlang der 7 Seenroute in Chile.

Am Mittwochmorgen nehmen wir den Bus nach Villarica und steigen in ein Collectivo nach Coñaripe. Hier müssen wir ca. 2 Stunden auf den nächsten Bus warten. Wir nutzen die Zeit und versuchen es per Anhalter, aber ohne Erfolg. So steigen wir am Mittag in den Bus nach Panguipulli. Zum Glück fährt der Bus am Südufer des Sees entlang. Diese Strasse ist nicht ausgebaut und daher sehr interessant. Das Panorama ist wunderschön und erinnert an die Schweiz. 


Es ist sehr grün, hügelig und der See glitzert. In Panguipulli angekommen, entscheiden wir nach Puerto Fuy gleich weiterzufahren. Der Ort ist zwar nicht sehr gross, aber er spricht uns auch nicht an um zu bleiben. Wir steigen in den Bus nach Puerto Fuy. Die Fahrt entlang der Seen ist wieder wunderschön. Das Huilo Huilo Reservat liegt auf dem Weg und wir sehen ein sehr schönes aussergewöhnliches Hotel. Es ist in den Wald integriert und sieht aus wie ein Ei oder ein ausserirdisches Raumschiff.  

Hafen Puerto Fuy
In Puerto Fuy steigen wir aus und fühlen uns wie am Ende der Welt. Ein paar Hüttchen und ein grösseres Hotel stehen friedlich am See. Hier herrscht absolute Ruhe, fast kein Auto ist hier unterwegs. Wir machen uns auf um ein Zimmer zufinden. An der ersten Tür steht zwar „abierto“ - geöffnet, aber niemand ist da. Das zweite sieht nicht sehr einladen aus und die dritte Tür zu einem Grundstück ist vernagelt. Oha, jetzt sind wir wirklich am Ende der Welt angekommen... und nun?!? Wir stehen etwas radlos rum und überlegen was wir tun sollen. Immerhin habe ich ja noch das Zelt dabei, aber Hilfe naht! Ein junger Mann kommt vom Nachbarhaus und bietet uns eine Cabaña an. Sie ist gross und hat sogar eine Küche. Von der kleinen Terrasse aus können wir sogar den See sehen. Hier bleiben wir! Zum Abendessen koche ich Risotto mit Erbsen, etwas improvisiert aber lecker!





In den Sommermonaten Januar und Februar fährt die Fähre mehrmals täglich. Jetzt aber ist noch Vorsaison und sie fährt nur einmal um 13 Uhr. Somit stehen wir am nächsten Tag am Hafen und halten schon mal Ausschau nach potenziellen Mitfahrgelegenheiten. Wir wissen, dass es am anderen Ende des Sees keinen Bus gibt. Ein junger Mann würde uns gern mitnehmen, aber sein Auto ist so voll, das wir unser Gepäck nicht unterbekommen würden, nur einer hätte Platz. Ein spanisches Pärchen hört unser Gespräch und bietet an einen von uns mitzunehmen. Wir willigen ein und sind zufrieden. Also getrennte Autos, alles perfekt!  





Es sind vielleicht 10 Autos an Bord und los geht die Fahrt. Der See ist lang und schmal, umgeben von viel Urwald. Die Überfahrt dauert eineinhalb Stunden und kostet 870 Chilenische Pesos, umgerechnet ca. 1.50 Euro. Als die Fähre ankommt, nehmen wir es etwas gelassen und schlendern als letztes vom Boot. Auf dem Parkplatz stehen noch wenige Autos, der Rest ist schon abgefahren, so wie auch unsere spanische Mitfahrgelegenheit. Hm...??? Irgendwas ist schief gelaufen... vielleicht haben wir sie nicht richtig verstanden?! Jetzt steht nur noch der nette junge Mann da und ein kleiner Flitzer und ein Pick up – doch dieser fährt nicht zur Grenze. 


Der Flitzer will gerade abfahren, ich frage das Pärchen wohin sie fahren, sie antworten San Martin. Sie würden mich mitnehmen, leider ist der Platz aber sehr beengt, aber das wird schon gehen. Mit meinem Gepäck zwänge ich mich auf die Rückbank und bin froh mitfahren zu können. Bequem ist anders, aber das zählt jetzt überhaupt nicht! Christina's Rucksack landet kurzerhand auf dem Dach vom Argentinier und sie fährt mit dem überladenen Auto mit, wir treffen uns im Hostel in San Martin wieder. Die Grenzformalitäten sind schnell erledigt und auf den nächsten 45 km habe ich Gelegenheit mein Spansich zu üben. Das Pärchen ist aus Santiago und redet zum Glück sehr deutliches Spanisch. Bei Christina ist es etwas schwieriger, er ist Argentinier und sie reden sehr undeutlich. Wir kommen beide fast zeitgleich im Hostal an. 
Vielen Dank an Tatiana und Gino fürs mitnehmen!


Bienvenido de Argentina
San Martin de los Andes gefällt uns spontan sehr gut, wir bleiben gleich zwei Nächte. Nun sind wir in Argentinien. Als erstes müssen wir Geld tauschen gehen. Schon im Vorraus wusste ich, dass man hier Geld sparen kann. Man muss nur US-Dollar auf dem Schwarzmarkt wechseln. Der offizielle Kurs ist 1 US$ = 6.33 Argentinische Pesos, der Schwarzmarkt gibt uns für 1 US$ aber 9.25 ARS (für 50er und 100er $Noten) oder 8.5 Argentinische Pesos (für kleinere Noten). Das heisst ein Drittel mehr, das ist echt super. 





San Martin de los Andes hat ca. 25.000 Einwohner, diese Zahl steigt während der Hauptferienmonate Januar und Februar sprunghaft an, da die Touristenschwämme auch hier Einzug hält. Jetzt ist es noch schön übersichtlich und die Stadt ist europäisch angehaucht. 

Abseits des Zentrums entdecken wir kleine schöne Häuschen mit Rosen in den Vorgärten. Die blühen jetzt in voller Pracht. An der Hauptmeile im Zentrum gibt es sehr viele Geschäfte mit Schokolade und Eis. 
 


Wir haben es zu unserem täglichen Ritual gemacht, am Nachmittag ein gutes Eis zu essen. Um die Kalorien wieder abzubauen, machen wir einen kleinen Spaziergang zu einem schönen Aussichtspunkt. Dies ist neben dem Strand in Pucón unser schönstes Schulzimmer, denn wir lernen jeden Tag eine Stunde Spanisch zusammen. 

Information für Werner: In San Martin gab es ein sehr gutes Bier. Dies hat keine künstlichen Zusatzstoffe und ist nach dem deutschem Reinheitsgebot gebraut ;-) Kannst Dich also schon mal auf Argentinien freuen! Dies hier war ein dunkles Bier, hat mir sogar geschmeckt! Prost!


Nach 2 Nächten gehts per Autostopp weiter nach Bariloche. Schon nach einigen Minuten hält ein Landrover. Er nimmt uns mit bis zur Kreuzung (ca. 20km), hier beginnt die Strasse der 7 Seen in Argentinien. Nach nicht mal 5 Minuten hält ein roter Kleinwagen. Das Pärchen nimmt uns mit. Das ging aber schnell! Wie sich herausstellt, waren die beiden auch auf der Fähre in Puerto Fuy. Aber sie haben wir dort nicht gefragt, weil wir ja dachten wir haben eine Mitfahrgelegenheit. Die beiden kommen aus Santiago de Chile und machen Ferien. Sie sind auf einem Tagesausflug nach Bariloche. Somit sind sie sehr zügig unterwegs, da sie ja wieder zurückfahren.
Zum Glück halten sie das ein oder andere Mal auch an und machen Fotos. In Villa de Angostura lassen wir uns dann absetzen. Hier gefällt es uns und wir haben noch 2 Tage Zeit um nach Bariloche zu kommen. Da haben wir ab dem 23.12. ein Hostel reserviert.
















Vielen Dank fürs Mitnehmen!


Villa de Angostura liegt auf halben Weg zwischen San Martin de los Andes und Bariloche im Nationalpark Nahuel Huapi am gleichnamigen See. Am Hafen gibt es eine Halbinsel – Peninsula Quetrihue. Auf dieser Insel gibt es 2 Lagunen und den Nationalpark Los Arrayanes. Obwohl der Park schon seit 1934 innerhalb vom Nahuel-Huapi-Nationalpark geschützt war, wurde 1971 dieser speziell für den Schutz der Arrayán-Myrtenbäume (Luma apiculata) geschaffen. 

Der Eingang zur Halbinsel befindet sich gleich neben dem Hafen. Von hier aus gibt es einen sehr schönen Wanderweg über die Halbinsel. Er ist 12 km lang und nicht besonders schwierig. Inge würde jetzt sagen: Das ist ein schöner Spaziergang ;-) Da muss ich ihr auch defintiv Recht geben! Der Wanderweg liegt wunderschön im Schatten der Bäume und auch bei hohen Temperaturen sehr gut zu laufen. Leider haben wir die erste Lagune nicht gesehen, aber an der zweiten setzen wir uns und picknicken in aller Ruhe. 

Was für eine schöne Aussicht. 







Während unserem Spaziergang hatten wir Begleitschutz. Ein sehr lieber, aber etwas dummer Perro begleitet uns. Ich hab erfolglos probiert ihm beizubringen, dass er das Stöckchen zurück bringen soll. Trotz aller Mühe und Vorzeigetechnik hat er es nicht verstanden. Das kam ihm sicher spanisch vor :-) Ich hab später noch ein schönes Margaritenhalsband gemacht, aber da war er auch etwas undankbar.


An der Südspitze der Insel finden wir die Arrayán-Myrtenbäume. Mit ihrer zimtfarbenen Rinde ein besonderer Blickfang. Nach einem erfrischenden Bad im See, fahren wir mit dem Boot in eineinhalb Stunden wieder zurück zum Hafen. 





In Villa de Angostura fällt uns auf, dass es sehr staubig ist. Und wir beobachten ständig aufsteigende Rauchsäulen auf den Bergen. Wir fragen uns schon, ob es doch aktive Vulkane sind?! Nein, es ist staub. Im Jahr 2011 ist ein benachbarter Vulkan des Puyehue - Cordón Caulle Vulkankomplex in Chile ausgebrochen und es hat sich eine dicke Ascheschicht über die Region gelegt. Zwei Wochen nach dem Ausbruch hatte sich die Aschewolke einmal komplett um die Erde geschoben und ist 600km weiter südlich wieder in Südamerika gelandet. Etwas 100 Millionen Tonnen Asche, Staub und Bimsstein wurden ausgestossen, dies ist vergleichbar mit ca. 70 Atombomben. Der Staub in den Strassen und auf dem Bergen ist nicht zu übersehen und er klebt an uns wie Leim.

Mit dem Bus geht es weiter nach Bariloche, wir kommen am Mittag an und checken ins Hostel 41 Below ein. Ein nettes kleines Hostel, welches uns Stefan empfohlen hat. Vielen Dank!



Weihnachten wird eher ruhig bei uns. Am 24.12. verbringen wir den halben Tag mit einem Ausflug und gehen etwas spazieren. Am Nachmittag sind wir im Hostel und telefonieren mit unseren Lieben. Abends gibt es ein gemeinsames Essen in einem anderen Hostel (Penthouse 1004). Hier gibts die tolle Aussicht noch gratis dazu. Christina hat einen Kollegen wieder getroffen, dieser hatte uns fürs Weihnachtsessen im 1004 eingeschrieben. Für mich ist es etwas surreal, denn bei 30°C kommt nicht so richtige Weihnachtsstimmung auf. Ich wäre eher Ostereier suchen gegangen ;-) selbst für das war es zu heiss!


 

Der erste Feiertag ist dann ebenso ruhig. Hier ist dies der offizielle Feiertag und alles hat geschlossen. Wir haben uns zu einem kleinem Umtrunk mit Katie getroffen, sie war auch schon im Chili Kiwi Hostal in Pucón.



Nach knapp 2 Wochen gehen Christina und ich wieder getrennte Wege. Sie fliegt nach Buenos Aires und ich fahre zurück nach Chile.


Es war eine super lustige und tolle Zeit mit Dir! Vielen Dank dafür! Vielleicht sehen wir uns ja im Süden wieder, wir haben ja die gleiche Reiserichtung!
Über Silvester bleibe ich in Puerto Varas, um dann sportlich ins Neue Jahr zu starten! Mehr gibts im ersten Bericht im Jahr 2014!

Ich wünsche euch allen ein schönes Silvester und einen guten Start ins Neue Jahr!

Alles Gute
Mokie






Montag, 23. Dezember 2013

Feliz Navidad!

24.12.2013

Weihnachten in Bariloche / Argentinien 



Ich wünsche allen ein super schönes Weihnachtsfest und ein paar ruhige und entspannte Feiertage!



 










Dienstag, 17. Dezember 2013

Santiago, NP Conguillio, Pucón

27.11.-16.12.2013
 
Stadt mit Stil vs. tolle Landschaften

Unglaublich aber wahr: Chile ist 4300 km lang und im Durchschnitt rund 180 km breit. Es besitzt ausser der tropischen alle Klimazonen. Folgende Legende beschreibt die kontrastreiche Natur dieses Landes: „Als Gott seine in sieben Tagen erschaffene Welt betrachtete, stellte er fest, dass noch einiges übrig geblieben war: Vulkane, Urwälder, Wüsten, Fjorde, Flüsse und Eis. Er gab den Engeln den Auftrag, alles das hinter einem langen Gebirge aufzuschütten – den Anden. So entstand Chile, das vielgestaltigste Land der Erde.“


So liest sich das Vorwort meines Reiseführers von Reise-Now-How. Wiedermal bin ich in einem Land angekommen, worüber ich eigentlich gar nichts weiss. Nach 13 Stunden Flug von Paris nach Santiago de Chile kündigt der Pilot ein Aufstehverbot für die letzten 45 Minuten des Fluges an. Grund sei der Überflug der Anden, hier könne es zu Turbulenzen kommen. Tatsächlich aber ist die letzte Stunde des Fluges die schönste. Der Flieger liegt ruhig in der Luft und wir fliegen direkt über die Berge! Das Himmel ist blau und die Sonne strahlt die weissen Schneespitzen der Berge an. Ein traumhafter Landeanflug! Als ich aus dem Flugzeug steige, weht mir ein angenehm warmer Wind um die Nase, ich bin mitten im südamerikanischen Frühling angekommen. Die Ernüchterung ist aber nicht weit entfernt, als ich die lange Schlange an den Einreiseschaltern sehe. Nach knapp einer Stunde stelle ich fest, dass mein Rucksack in Paris geblieben ist. Trotz einer Aufenthaltszeit von 7 Stunden, haben sie es nicht geschafft ihn ein zu laden... 3 Stunden nach der Ladung bin ich dann endlich in meinem Hostel, dem Princesa Insolente (www.princesainsolentehostel.cl). Das Hostel ist klein und gemütlich. Hier verbringe ich 3 Nächte und schaue mir Santiago etwas an.

Santiago de Chile:
Das Stadtgebiet ist Teil der Hauptstadtregion (Región Metropolitana), die neben der Provinz Santiago weitere fünf Provinzen umfasst. Im städtischen Siedlungsgebiet (área urbana) leben 5.392.395 Menschen, in der gesamten Región Metropolitana sind es 6.061.185 (Volkszählung 2002). Damit leben etwa 40 Prozent aller Chilenen in der Hauptstadt oder in ihrer direkten Umgebung.“ (Quelle: Wikipedia)


Auf den ersten Blick gefällt mir Santiago sehr gut, es ist stilistisch sehr abwechslungsreich. Das Wetter ist bis auf 3 Monate im Jahr mehr oder weniger gleich und meistens sonnig und warm. Die Menschen hier sind viel freundlicher und offener. Die Stadt entspricht ziemlich dem europäischen Standart und ist sehr sauber. Das Wasser aus dem Hahn kann man sogar trinken. Natürlich gibt es auch in so einer Stadt Armenviertel. Diese sind nun mal wie sie sind. 

Der Markt im Nordwestlichen Teil ist dafür wieder ein Highlight. Hier macht es Spass einzukaufen. Sebastian, ein Chilene, macht täglich Stadtführungen auf seine eigene Art. 

  

Die Führung ist individuell und er ändert sie je nach Gelegenheit und Fragen auch mal ab. Wir sind zu Fuss in Santiago unterwegs. Sebastian erzählt uns viele Insidertipps. Zum Beispiel ist die Stadt bekannt für den „Café con piernas“ („Café mit Beinen“). In den „offenen“ Cafés kann man junge hübsche Damen mit sehr kurzen Röcken beobachten. Diese servieren den Café. Sebastian ist mit uns allerdings ist in ein Café mit verdunkelten Scheiben gegangen. Hier wird der Café von Damen in sehr sehr knapper Kleidung serviert. Er erzählt uns, dass die Männer die hierher kommen, sich einfach einen Kaffee mit schöner Aussicht servieren lassen. Die Besitzer von den Cafés bezahlen nur die Kassiererin. Die leichtbekleideten Damen bekommen als Verdienst das Trinkgeld. Scheinbar verdienen sie damit recht gut. Zur Freude der männlichen Teilnehmer in der Gruppe, haben wir da drin einige Zeit für einen Kaffee verbracht. 


Überall in der Stadt sieht man Graffities. Teilweise wirklich sehr künstlerisch. 







Unglaublich aber ebenfalls wahr: Es wird sogar der Stollen aus Deutschland eingeführt. Es ist wirklich komisch, es ist so warm hier und überall ist es weihnachtliches geschmückt. Umgerechnet kostet der Stollen 6.20 Euro.




Für mich gehts weiter mit dem Nachtbus nach Temuco. Hier steige ich am Sonntagmorgen in den Bus Richtung Melipeuco. Auf Höhe Faja 16000 steige ich aus, hier holt mich Helmut vom Hostal (Aldelayhelmut) ab. Übers Internet habe ich sein Hostal gefunden, er ist aus Deutschland und lebt seit 16 Jahren in Chile. Leider ist er sehr unfreundlich und hochnäsig. Auf meine Fragen zum Trekking im Nationalpark Conguillio hat er nur schäbisches Lachen und ein paar dumme Antworten übrig. Er will mir unbedingt seine eigene Eintagestour für 180 US$ (!!!) aufschwatzen. Ich lehne aber entschieden ab! Das passt ihm überhaupt nicht. Nach vielem hin und her, finde ich am Ende einen Nachbarn von ihm der mich bis zum Park mit dem Auto fährt. Meine überflüssigen Sachen lasse ich in einem abschliessbarem Fach. Helmut lacht mich noch aus bevor ich verschwinde und er lästert auf Spanisch. Ich sagte zu ihm: Er soll es lassen, da ich etwas Spanisch verstehe. Dieses Hostal ist definitiv nicht an Reisende weiterzuempfehlen, die ihre eigene Tour machen möchten. Diese Begegnung war sehr unschön!!! Mit einem etwas mulmigen Gefühl mache ich mich auf mein erstes Trekking.


Am Lago Conguillio angekommen, schlage ich mein Zelt auf dem Campingplatz auf und komme gleich mit meinen Nachbarn Silke und Michel ins Gespräch. Sie sind mit ihrem weissen Toyota für ein Jahr in Südamerika unterwegs.


Am Nachmittag mache ich meine erste Wanderung auf einen schönen Aussichtspunkt über dem See. Ich lade meinen Rucksack mit etwas Gepäck, um mich an das tragen zu gewöhnen. Der Aufstieg geht sehr gut. Die Aussicht ist wunderschön, die Sonne scheint, aber der Wind ist kühl. Die gesamte Wanderung waren ungefähr 10 km. Ein guter Start für den Anfang. Am Abend esse ich gemeinsam mit Silke und Michel. 
 

Am nächsten Tag lasse ich mein Zelt nochmal stehen und laufe, wieder mit Teilgepäck, den schönen Waldweg zum Lago Captrén. Hin und zurück sind es ca. 18 km. Da der Weg fast nur im Schatten der riesigen Araukarien ist, lässt es sich bei angenehmen Temperaturen gut laufen.



"Die Chilenische Araukarie (Araucaria araucana Syn., A. imbricata, A. chilensis, Dombeya chilensis), auch Andentanne, "Schlangenbaum", Schuppentanne, Affenschwanzbaum oder Chilenische Schmucktanne sowie Monkey Puzzle Tree genannt, ist eine Pflanzenart, die zur Familie der Araukariengewächse (Araucariaceae) gehört.
Fossile Funde verwandter Arten der heutigen Araukarien datieren bis zu einem Alter von 90 Millionen Jahren (Gattung Wollemia), womit die Familie der Araucariaceae eine der ältesten Baumfamilien der Welt ist."

(Quelle: Wikipedia)


Diese alte Araukarie ist scheinbar 1800 Jahre alt, 50 Meter hoch und hat einen Durchmesser von 2.1m.



Ich wollte gerade vom Wanderweg auf die Strasse einbiegen, als ich dieses nette handtellergrosse Exemplar vor mir auftauchen sah.  Dabei handelt es sich um eine Grammostola rosea, im Deutschen wird sie manchmal die "Rote Chile-Vogelspinne" genannt. Sie ist eine Art der Vogelspinne aus Chile. Laut Google kann man einen Biss dieser Spinne mit einem Bienenstich vergleichen.





Am nächsten Tag fahren Silke und Michel auch weiter. Da sie Richtung Temuco wollen, bieten sie an mich mitzunehmen. Ich wollte aber noch ein Stück laufen. Somit verabreden wir uns an der Lagune Verdeund ich konnte testen wie gut ich mit meinem Totalgepäck laufen kann. Erstaunlich schnell komme ich voran und bin schon nach 2:30h da. Es waren ca. 10 km, man muss aber dazusagen, dass es nur geradeaus und etwas abwärts ging :-)

Wir übernachten an der Laguna Verde und fahren am nächsten Tag zum Helmut um meine Sachen zu holen und dann weiter nach Temuco. Ich bin so froh, dass ich keine Nacht länger da bleiben musste, das Geld gebe ich lieber anderen...



In Temuco bleiben wir eine Nacht. Silke und Michel füllen ihre Gasflasche auf und besuchen das Museum der Mapuche.

Netterweise nehmen sie mich gleich noch weiter mit bis nach Pucon. Die Fahrt im Toyota war angenehm und für mich sehr easy. Direkt auf dem Camping schlagen wir unser Lager auf und schlendern am Abend durch die Stadt. Die nächsten drei Tage verbringen wir gemeinsam auf dem Camping, bevor wir uns dann vorerst trennen. Wir werden uns wiedersehen, das steht fest! Vielen Dank für alles! War echt ne tolle Zeit mit euch, immerhin eine ganze Woche :-)



Der aktive Vulkan Villarica (2840m) hat einen ausserordentlich perfekten Vulkankegel. Mit seinen schneebedeckten Gipfel wacht er über der Stadt und dem See. Seit eineinhalb Jahren ist er weniger aktiv. Vorher stand eine ständige Rauchwolke über ihm und in der Nacht war Lava zu sehen. Leider bleibt mir das hier, wie auch schon in Costa Rica beim Arenal, versagt! Schade! :-(

Pucón ist ein schönes kleines überschaubares Städtchen. Jetzt ist noch Vorsaison und es ist angenehm ruhig. Aber für Januar und Februar ist hier Massenandrang angesagt. Also hab ich die richtige Zeit erwischt!



In Pucón spürt man einen europäischen Wind. Einiges ist hier in Deutsch angeschrieben. So gibt es zum Beispiel einen „Biergarten“ oder „Oma's Café“, da wird dann auch mal ne Roster mit Sauerkraut serviert. Ebenfalls gibt es hier einen super guten Bäcker. Vor einigen Jahren ist ein Rentner aus der Schweiz nach Pucón gekommen, um den Mitarbeitern zu zeigen wie man Schweizer Spezialitäten zubereitet z. Bsp. Rueblikuchen und Nusstorte. 



Sonnenuntergang am See
Durch einen Zufall komme ich in das Hostal Chili Kiwi. Eigentlich wollte ich mich nur erkundigen, ob ich meine Sachen da für die Zeit der Wanderung im Nationalpart Huerquehue einstellen kann. Hier lerne ich Stefan und Christina kenne. Stefan ist aus Deutschland und mit seinem Drahtesel unterwegs, er kommt vom Süden Chiles. Christina ist aus der Schweiz und auch einige Monate unterwegs. Wir verstehen uns gleich sehr gut und werden ein Stück gemeinsam weiterreisen. Christina hat in Pucón eine Pause eingelegt und lernt gerade Spanisch. Spontan entscheide ich mich, die Gelegenheit wahrzunehmen und melde mich für einem Spanischkurs an – 5 Tage à 3 Stunden. 

Zusätzlich gehe ich auf die Pferde-Farm Antilco (www.antilco.com) und dort in Ruhe lernen und entspannen. Diese Wahl stellt sich als absoluter Glückstreffer heraus. Die Farm liegt ca. 12 km ausserhalb von Pucón in absoluter Natur!
Ich habe meine eigene Cabaña mit Küche und Bad. Ständig sind auch die drei Hunde der Familie um mich herum. 


Wolf - 6 Monate alt
Pontus - der alte Chef
Nanunca - Mama vom Wolf










Mein Tagesablauf sieht meistens gleich aus. Morgens 3 Stunden Spanischkurs mit Karin und am Nachmittag viel lesen, geniessen und meditieren. Die Ruhe tut mir sehr gut und ich kann gestärkt meine Reise fortsetzen. 

An einem Nachmittag hab ich einen Ausritt gemacht. Es war wunderschön. Mein Pferd Ulen war anfangs sehr vorsichtig und lies sich gut lenken. Auf dem Rückweg wird er auch mutiger und galoppiert sogar zweimal. Die Natur um mich herum ist einfach phantastisch, glasklare Flüsschen, Blick auf den Vulkan Villarica und viel Grün. 

Auf der Farm tragen die Kirschbäume Unmengen Früchte und jeden Tag pflücke ich mir eine riesige Portion. Jeden Tag scheint die Sonne vom strahlend blauen Himmel. Der Sommer steht vor der Tür, früh wird es um fünf Uhr hell und abends nach um neun erst dunkel.

Nach knapp 2 Wochen in Pucón geht's gemeinsam mit Christina weiter. Wir werden einen Abstecher nach Argentinien machen und dort Weihnachten feiern.

Ich wünsche allen ein frohes Weihnachtsfest!

Viele sonnige Grüsse
Mokie